Burnout - der Schrei der Seele!

Die Verbreitung des Burnout-Syndroms steigt seit Jahren kontinuierlich an und wird als größtes Berufsrisiko des 21. Jahrhunderts angesehen.[1] Diese Veränderung wirft die Frage auf, ob Burnout eine Erkrankung unserer modernen Zeit ist. Die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre haben dem Menschen zwar viele Vorteile geboten, doch kommen wir mit dieser rasanten Entwicklung überhaupt zurecht?


Was ist das Burnout-Syndrom?

Burnout ist in unserer Gesellschaft irgendetwas zwischen Pseudoerkrankung und Diagnose; der Begriff ein Modewort und 2011 sogar auf Platz 6 der Wörter des Jahres.[2] Die Ungenauigkeit und lange Zeit fehlende Definition führten nicht nur zu einer Abgrenzungsproblematik[3], sondern auch zu fehlender Akzeptanz in der Gesellschaft. Schließlich sind Sätze wie „Stell ich nicht so an“ und „Stress haben wir alle“ gesellschaftsfähig. Herbert Freudenberger, der "Erfinder" des Burnouts, führte 1974 den Begriff „Burnout“ als Krankheitsbezeichnung für „Ausgebrannt sein“ ein.[4] Er deutete Burnout als Ausschöpfung von körperlichen und seelischen Reserven, ein inneres „entleeren“. Es herrscht eine Überbeanspruchung; ein Ungleichgewicht von Anforderungen und den vorhandenen Ressourcen.

Am 29.05.2019 hat die WHO Burnout als ein Syndrom definiert. Ab 2022 erfolgt die Aufnahme in der ICD-11 und gilt damit als Diagnose. Die Definition lautet: „Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann.“.[5]


Mögliche Ursachen

Unsere Arbeitsgesellschaft ist darauf trainiert, immer mehr Leistung zu erbringen. Die moderne Arbeitswelt zielt vordergründig darauf ab, den Cash Flow zu erhöhen, was dazu führt, dass die Werte des Unternehmens nicht mehr greifbar sind, das soziale Miteinander verschwindet und Mitarbeiter sich nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren. Enthusiasmus am Arbeitsplatz wird heutzutage oftmals vergebens gesucht.[6] Wird die Arbeit gegen den eigentlichen Willen, der eigenen Würde und den eigenen Werten verrichtet, führt dies zu einem inneren Konflikt, der kaum ausgeglichen werden kann.[7]


Burn-out-Persönlichkeiten

Burnout-Betroffene engagieren sich meist besonders, sind motiviert, setzen sich häufig ein und übernehmen gerne Zusatzaufgaben. Sie sind geprägt von Perfektionismus und Ehrgeiz, können Aufgaben nicht oder nur schlecht delegieren und arbeiten hart an ihren hoch gesteckten Zielen. Gleichzeitig können sie schlecht „Nein“ sagen.[8] Ihr Einsatz soll Anerkennung und Lob generieren. Dabei wird Wertschätzung in der heutigen Arbeitswelt kaum noch gelebt. Die Betroffenen geben noch mehr Leistung, in der Hoffnung, dass sie die gewünschte Anerkennung für ihre Arbeit erhalten. Durch die Überbelastung nehmen Betroffene ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahr und verfallen in eine Haltung der Ignoranz ihrer eigenen Person gegenüber.[9] Dieses Verhalten ist häufig die Folge eines labilen Selbstwerts.[10]


Symptome

Ein Burnout entsteht nicht von heute auf morgen. Es handelt sich dabei um einen langjährigen, oft schleichenden Prozess.[11] Die Symptome werden oftmals nicht wahrgenommen oder falsch gedeutet, sodass die Betroffenen keinerlei Gegenmaßnahmen einleiten.[12] Umso wichtiger ist es, bei anhaltenden Anforderungen präventiv zu handeln und frühzeitig einen gesunden Umgang mit seinen Ressourcen zu lernen. Bei einem Burnout kommt es primär zu einer emotionalen Erschöpfung mit Gefühlen wie Anspannung, Überforderung und Niedergeschlagenheit bis hin zu einer Lebensmüdigkeit. Betroffenen geht die Energie und Begeisterung (für die Arbeit) verloren.[13] Sie verlieren das Vertrauen, fühlen sich ausgebrannt[14]; sowohl körperlich als auch psychisch und emotional. Nicht nur als vorübergehende Reaktion, sondern als Dauerzustand. Ein weiteres Merkmal ist die Depersonalisierung, d. h., sie erleben eine Störung ihres Ich-Erlebens.[15] Betroffene haben das Gefühl neben sich zu stehen oder nicht ganz da zu sein. Zudem beherrscht sie eine Angst, die Kontrolle über sich zu verlieren.[16]


Fazit

Ob Burnout eine Erkrankung unserer modernen Welt ist, lässt sich so leicht nicht beantworten. Früher gab es bereits die Erkrankung Neurasthenie, die ähnliche Symptome beinhaltete. Die Anspannungen der körperlichen Arbeit nach Feierabend wurde damals durch eine Entspannungsphase ausgeglichen. Die heutzutage anhaltenden psychischen Belastungen führen dazu, dass die Menschen schneller an ihre psychischen Grenzen stoßen, da ihre Kräfte verbraucht sind. Entspannungsphase gibt es dabei kaum noch. Die ständige Reizüberflutung lässt uns kaum noch Ruhe aushalten. Aber auch der Wert der Arbeit hat sich im 21. Jahrhundert stark verändert. Die erhöhten Leistungsbedingungen seitens der Arbeitgeber treffen auf überhöhte Ansprüche an sich selbst. Diese persönlichen Werte und Motive führen zu einer Frustration und auf Dauer zu einem Burnout.


[1] Vgl. (Rühle, 2011, S. 40)

[2] Vgl. (GFDS.de, 2011)

[3] Vgl. (Reiners-Kröncke, Röhrig, & Specht, 2020)

[4] Vgl. (Hokenbecker-Belke, 2007, S. 13)

[5] Vgl. (WHO.int, 2019)

[6] Vgl. (Maslach & Leiter, 2001, S. 1-3)

[7] Vgl. (Maslach & Leiter, 2001, S. 18)

[8] Vgl. (Haufe.de, 2012)

[9] Vgl. (Elsässer & Sauer, 2013, S. 18)

[10] Vgl. (Esser, 2016, S. 27)

[11] Vgl. (Blaha, Meyer, Colla, & Müller-Teusler, 2013, S. 415)

[12] Vgl. (Gianni & Liscia, 2018, S. 40)

[13] Vgl. (Falkenstein & Kardys, 2020, S. 104)

[14] Vgl. (Maslach & Leiter, 2001, S. 19)

[15] Vgl. (Tölle & Windgassen, 2009)

[16] Vgl. (Unimedizin-Mainz.de)


Literaturverzeichnis

Blaha, K., Meyer, C., Colla, H., & Müller-Teusler, S. (2013). Die Person als Organom in der Sozialen Arbeit : Erzieherpersönlichkeit und qualifiziertes Handeln. Wiesbaden.

Elsässer, J., & Sauer, K. (2013). Burnout in sozialen Berufen: Öffentliche Wahrnehmung, persönliche Betroffenheit, professioneller Umgang. Freiburg.

Esser, V. (2016). Gender und Burnout: Erlebte Gerechtigkeit bei Männern und Frauen im Berufs- und Privatleben. Wiesbaden.

Falkenstein, M., & Kardys, C. (2020). Arbeit, Kognition und Alter: Wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis. Stuttgart.

GFDS.de. (2011). Abgerufen am 01.10.2021 von Wort des Jahres: https://gfds.de/aktionen/wort-des-jahres/

Gianni, J., & Liscia, M. (2018). Workbook Responsibility: Verantwortung für Entscheidungen, für Mitarbeiter, sich selbst gegenüber. Paderborn.

Haufe.de. (26.04.2012). Abgerufen am 25.11.2021 von Müde – matt – minderwertig: Burnout?: https://www.haufe.de/personal/hr-management/muede-matt-minderwertig-burnout/burnout-persoenlichkeitstypen_80_94334.html

Hokenbecker-Belke, E. (2007). Ausgebrannt - Ein Ratgeber für Mitarbeiter und Führungskräfte zur Burnout-Prävention in personenzentrierten Dienstleistungsberufen. Münster.

Maslach, C., & Leiter, M. (2001). Die Wahrheit über Burnout: Stress am Arbeitsplatz und was Sie dagegeben tun können. Wien.

Reiners-Kröncke, W., Röhrig, S., & Specht, H. (2020). Burnout in der Sozialen Arbeit. Augsburg.

Tölle, R., & Windgassen, K. (2009). Psychiatrie einschließlich Psychotherapie. Heidelberg.

Unimedizin-Mainz.de. (kein Datum). Abgerufen am 26.11.2021 von Depersonalisation Derealisation: https://www.unimedizin-mainz.de/psychosomatik/patienten/psychosomatische-erkrankungen/depersonalisation.html

WHO.int. (28.05.2019). Abgerufen am 21.11.2021 von Burn-out an "occupational penomenon": Internation Classification of Diseases: https://www.who.int/news/item/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases


Beitragsbild: Pixabay.com, Mitglied: Tumisu, 23.09.2021, URL: https://pixabay.com/de/photos/galaxis-sterne-unendlichkeit-5246185/

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